Angélica Liddells provokantes Mishima-Drama eröffnet die Wiener Festwochen 2024
Joseph HölzenbecherAngélica Liddells provokantes Mishima-Drama eröffnet die Wiener Festwochen 2024
Die Wiener Festwochen 2024 haben mit einem provokanten neuen Werk der spanischen Regisseurin Angélica Liddell eröffnet. Ihr Stück „Seppuku: Die Beerdigung Mishimas oder die Lust am Sterben“ feierte im Volkstheater Premiere und lotet in schonungsloser Radikalität die Themen Leben, Tod und das Makabre aus.
Liddells Inspiration speist sich aus einer persönlichen Erfahrung: Am 7. Januar 2024 wurde sie in Madrid Zeugin des Suizids einer Frau. Dieses Erlebnis prägt ihre Auseinandersetzung mit der Sterblichkeit in der Inszenierung.
Die zweistündige Produktion verwebt die Schicksale fremder Menschen mit dem des japanischen Schriftstellers Yukio Mishima, der 1970 durch rituellen Suizid aus dem Leben schied – ein Akt, der im Zentrum von Liddells Erzählung steht.
Ihre Performance enthält intensive, drastische Szenen: Eine Nachstellung von Mishimas Selbsttötung und eine blutbespritzte Sequenz bilden Höhepunkte des Stücks. Abrupte Unterbrechungen, schwarzer Humor und ekstatische Momente durchziehen die Inszenierung. Liddell beleuchtet zudem das Leben und Sterben anonymer Individuen – allein durch ihre Kleidung.
Den Höhepunkt bildet ihre Rechtfertigung des Suizids. Sie gibt dem Leid der Toten eine Stimme und verflicht ihre Geschichten mit Mishimas tragischem Ende.
Die Uraufführung im Volkstheater ist ein markanter Akzent im diesjährigen Festivalprogramm. Liddells Werk konfrontiert das Publikum mit rohen, beunruhigenden Themen. Die expliziten Bilder und der düstere Humor hinterlassen bei den Zuschauern einen nachhaltigen Eindruck.
