Demokratieverlust bei Jugendlichen: Nur noch 36 Prozent zufrieden mit dem System
Serpil MendeDemokratieverlust bei Jugendlichen: Nur noch 36 Prozent zufrieden mit dem System
Die Unterstützung für die Demokratie in Deutschland schwindet – besonders bei den jüngeren Generationen. Eine neue Studie aus Nordrhein-Westfalen zeigt, dass nur noch 47 Prozent der Jugendlichen mit der Funktionsweise der Demokratie in der Praxis zufrieden sind. Dieser Rückgang wirft Fragen nach wachsendem Extremismus und der Wirksamkeit der politischen Bildung an Schulen auf.
Zwischen 2020 und 2025 sank die Zufriedenheit mit der Demokratie bei den 14- bis 29-Jährigen drastisch von etwa 60 auf nur noch 36 Prozent. Ältere Altersgruppen (ab 30 Jahren) verzeichnen dagegen stabilere Werte zwischen 50 und 60 Prozent. Als Gründe nennen Forscherinnen und Forscher unter anderem soziale Medien als Echokammern, Frustration über mangelnden Klimaschutz, wachsende Ungleichheit und ein sinkendes Vertrauen in staatliche Institutionen – verstärkt durch die COVID-19-Pandemie und die Wohnungsnot.
Besorgniserregend ist zudem: Nur noch 83 Prozent der 19- bis 29-Jährigen stehen heute hinter der Demokratie – ein Rückgang im Vergleich zu früheren Jahren. Fast die Hälfte der Befragten stimmte der Aussage zu, die Gesellschaft würde von einer starken Partei profitieren, die den "Volkswillen" uneingeschränkt vertritt. Diese Entwicklungen fallen zusammen mit einer zunehmenden Konfrontation mit extremistischem Gedankengut im Netz, wo junge Menschen in sozialen Medien, Chatgruppen oder Gaming-Communities auf frauenfeindliche Inhalte, Gewaltverherrlichung und radikale Botschaften stoßen.
Bundesbildungsministerin Karin Prien warnt, die klassische politische Bildung komme mit der Geschwindigkeit der digitalen Radikalisierung nicht mehr mit. Die Studie unterscheidet drei Gruppen: 44 Prozent sind überzeugte "Demokraten", 42 Prozent "fragile Demokraten" mit ambivalenten Haltungen und 8 Prozent offen "demokratiefeindlich". Dabei zeigt sich: Wer mit dem eigenen Leben zufrieden ist, unterstützt eher die Demokratie und die gesellschaftlichen Verhältnisse.
Expertinnen und Experten betonen, wie wichtig es ist, die politische Bildung an Schulen zu stärken – etwa durch die Vermittlung demokratischer Kompetenzen, um Jugendliche widerstandsfähiger gegen online verbreiteten Extremismus zu machen.
Die Ergebnisse verdeutlichen eine wachsende Kluft in der demokratischen Gesinnung zwischen jüngeren und älteren Deutschen. Angesichts der rasanten Verbreitung extremistischer Inhalte im Netz stehen Schulen unter Druck, ihre Programme zur politischen Bildung anzupassen. Die Studie fordert gezielte Maßnahmen, um demokratische Werte zu festigen und die Ursachen für die Unzufriedenheit unter Jugendlichen zu bekämpfen.






