14 March 2026, 12:33

"Fiftyfifty" kämpft ums Überleben: Wie ein Straßenmagazin Obdachlosen Würde und Stimme gibt

Eine Zeitung mit einer Zeichnung von zwei Personen, einer sitzend und einer stehend, mit der Aufschrift "Die Obdachlosen"

"Fiftyfifty" kämpft ums Überleben: Wie ein Straßenmagazin Obdachlosen Würde und Stimme gibt

Fiftyfifty, ein Magazin, das in Düsseldorf von obdachlosen und marginalisierten Verkäufer:innen angeboten wird, verzeichnet einen drastischen Rückgang seiner Auflage. Während einst 40.000 Exemplare gedruckt wurden, liegen die Verkaufszahlen heute bei weniger als 12.000 pro Monat. Der Schwund spiegelt nicht nur die allgemeinen Schwierigkeiten der Printmedien wider, sondern wird zusätzlich durch eine wachsende Feindseligkeit gegenüber den Verkäufer:innen verschärft – viele von ihnen haben einen Migrationshintergrund.

Trotz alledem bleibt die Zeitschrift eine unverzichtbare Lebensader: Sie bietet Einkommen, Würde und eine Plattform für gesellschaftspolitisches Engagement. Trotz der Herausforderungen stieg der Preis nur moderat – von 2,80 auf 3,40 Euro –, sodass das Magazin für die meisten Leser:innen weiterhin erschwinglich bleibt.

Der Rückgang bei Fiftyfifty ist Teil eines bundesweiten Trends. In den letzten zehn Jahren haben Straßenmagazine wie der Strassenfeger in Berlin, Unterwegs in München oder Motz in Hamburg zwischen 50 und 80 Prozent ihrer Leserschaft verloren. Die Digitalisierung hat das Mediennutzungsverhalten grundlegend verändert und viele Verlage zum Umdenken gezwungen. Einige setzen mittlerweile auf digitale Abonnements, Crowdfunding-Kampagnen oder Kooperationen mit Supermärkten, um feste Verkaufsstellen zu etablieren. Andere verkaufen Merchandise-Artikel online oder bewerben sich um Fördergelder von Sozialunternehmen.

Auch Fiftyfifty hat sich den Veränderungen gestellt. Die digitale Ausgabe fiftyfifty-ObdachLOS funktioniert nach dem Prinzip einer Rubbellos-Karte – die Verkäufer:innen erhalten weiterhin die Hälfte des Verkaufspreises, bewahrend damit das Kernelement des Straßenmagazin-Konzepts. Neben dem Verkauf finanziert sich das Magazin über Spenden und eine Wohltätigkeitsgalerie, in der Kunstwerke bekannter Künstler:innen den Erlös für Sozialprojekte, tierärztliche Versorgung obdachloser Hunde und Wohnungsinitiativen sichern.

Für die Verkäufer:innen ist das Magazin weit mehr als eine Einnahmequelle. Es gibt ihrem Alltag Struktur, vermittelt ein Gefühl von Sinnhaftigkeit und wirkt als Schutzschild gegen soziale Ausgrenzung. Indem es Obdachlosigkeit ins öffentliche Bewusstsein rückt, schafft es direkte Begegnungen zwischen Leser:innen und Menschen, die sonst oft übersehen werden. Ohne Fiftyfifty, warnen Unterstützer:innen, würde eine entscheidende Stimme der Marginalisierten verstummen – eine Stimme, die Missstände aufdeckt und Diskriminierung herausfordert.

Die Preiserhöhung auf 3,40 Euro soll die steigenden Kosten ausgleichen, doch das Magazin bleibt günstiger als ein Busticket oder ein Kaffee. Diese Erschwinglichkeit sichert seine Zugänglichkeit und ermöglicht es, die Mission fortzuführen.

Der Auflagenrückgang unterstreicht die wachsenden Herausforderungen für Printmedien und die zusätzliche Belastung durch Vorurteile gegenüber den oft schutzbedürftigen Verkäufer:innen. Dennoch hält Fiftyfifty stand – durch die Verbindung traditioneller Verkaufswege mit digitalen Innovationen und gemeinschaftlicher Unterstützung.

Sein Fortbestand garantiert weiterhin Hilfe für obdachlose Menschen: von finanzieller Stabilität bis hin zu gesellschaftlicher Sichtbarkeit. Die Arbeit des Magazins – ob in der Sozialarbeit, Gesundheitsversorgung oder Wohnraumvermittlung – ist heute so unverzichtbar wie je zuvor.

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