28 June 2026, 14:24

Humboldt Forum: Zwischen kolonialem Erbe und kultureller Zukunftssuche

Humboldt-Forum feiert 5. Geburtstag

Humboldt Forum: Zwischen kolonialem Erbe und kultureller Zukunftssuche

Das Humboldt Forum in Berlin bleibt fünf Jahre nach seiner Eröffnung ein polarisierendes Kulturdenkmal. Trotz seiner imposanten Architektur und eines anspruchsvollen Programms kämpft es weiterhin damit, Anschluss an die lokale Gemeinschaft zu finden. Seine Ausstellungen und Debatten setzen sich zwar mit drängenden globalen Fragen auseinander, doch sein koloniales Erbe wirft noch immer einen langen Schatten.

Finanziell getragen von vermögenden rechtspopulistischen Spendern, sollte das Forum preußischen Glanz im Herzen der Stadt wiederaufleben lassen. Heute beherbergt es unter seiner kreuzgekrönten Kuppel das Ethnologische Museum und das Museum für Asiatische Kunst. Doch Kritiker werfen ihm vor, eher wie ein Palast als wie ein Ort für die Menschen zu wirken – und seine kolonialen Verstrickungen lassen sich nur schwer abschütteln.

Das Forum hat sich zu einem zentralen Schauplatz für Diskussionen über geraubte Kunst, Restitution und koloniale Gewalt entwickelt. Seine Programme thematisieren regelmäßig den Schwund demokratischer Werte und globale Ungerechtigkeit. So lenken sie etwa den Blick auf Fälle wie einen Fluss im Süden Brasiliens, der unter einem Einkaufszentrum verschwand, bevor er als Mahnmal neu interpretiert wurde. Auch die Performance to build to bury to remember der Künstlerin Sarah Ama Duah hinterfragt koloniale Perspektiven, indem sie Objekte als autonome Körper inszeniert.

Offizielle Besucherzahlen suggerieren regen Zulauf, doch ein genauerer Blick offenbart: Nur etwa 634.000 Menschen besuchten 2022 die Ausstellungen. Manche, wie die Sprecherin, geben zu, von dem Ort fast schon peinlich berührt fasziniert zu sein – trotz aller Schwächen.

Das Humboldt Forum bleibt ein unvollendetes Projekt, das zwischen großen Ambitionen und anhaltender Kritik balanciert. Seine Rolle als Katalysator für Debatten über Geschichte und Gerechtigkeit ist unbestritten. Doch ob es die Berliner Bevölkerung wirklich erreichen und sein kolonialistisches Erbe überwinden kann, wird über seine Zukunft entscheiden.

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