Internetwirtschaft wächst rasant – doch die Infrastruktur droht zum Flaschenhals zu werden
Joseph HölzenbecherInternetwirtschaft wächst rasant – doch die Infrastruktur droht zum Flaschenhals zu werden
Deutschlands Internetwirtschaft steht vor starkem Wachstum – doch die Infrastruktur bremst aus
Die deutsche Internetwirtschaft steht vor einem deutlichen Aufschwung: Die Umsätze sollen von 245 Milliarden Euro im Jahr 2025 auf 389 Milliarden Euro bis 2030 steigen. Doch dieser Wachstumskurs, angetrieben durch Digitalisierung und künstliche Intelligenz, droht an einem zentralen Hindernis zu scheitern: einem massiven Mangel an Rechenzentrumskapazitäten, der ohne schnelle Gegenmaßnahmen den Fortschritt ausbremsen könnte.
Laut Prognosen des eco-Verbands wird die deutsche Internetwirtschaft in den kommenden fünf Jahren jährlich um 9,7 Prozent wachsen. Doch Oliver Süme, Vorsitzender des Verbands, warnt, dass dieser Boom ins Stocken geraten könnte, wenn Rechenleistung und Netzkapazitäten nicht Schritt halten. Aktuell hinkt Deutschland im internationalen Vergleich weit hinterher – etwa gegenüber den USA, die über eine zwanzigmal größere Rechenzentrums-Infrastruktur verfügen.
Bis 2030 soll zwar die IT-Anschlussleistung deutscher Rechenzentren um 50 Prozent steigen, von derzeit 2,4 auf 3,7 Gigawatt. Doch selbst dieser Zuwachs wird den Bedarf bei Weitem nicht decken: Die Wirtschaft benötige dann drei- bis fünfmal mehr Rechenkapazitäten, als verfügbar sein werden, so der eco-Verband. Als Hauptgründe für die Lücke nennt er zögerliche Glasfaserausbauten, zurückhaltende Digitalisierungsbemühungen bei kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) sowie mangelnde Plattformkompetenz.
Um diese Herausforderungen zu meistern, fordert der Verband politische Weichenstellungen, um bezahlbaren Grundlaststrom zu sichern. Mit rund 23 Cent pro Kilowattstunde liegen die Industrie-Strompreise in Deutschland bereits 25 Prozent über dem EU-Durchschnitt. Ohne Gegensteuer droht der Verband, dass Rechenlasten ins Ausland abwandern – mit gravierenden Folgen für die digitale Souveränität Deutschlands.
Das erwartete Wachstum der deutschen Internetwirtschaft hängt entscheidend davon ab, diese infrastrukturellen Engpässe zu überwinden. Werden die Kapazitäten der Rechenzentren und die Stromkosten nicht bald gelöst, riskiert das Land, im internationalen Wettbewerb zurückzufallen und seine digitale Unabhängigkeit zu gefährden.
