Philipp Grassinger: Wie der Cleverly-Gründer Ehrgeiz und Bodenständigkeit vereint
Joseph HölzenbecherPhilipp Grassinger: Wie der Cleverly-Gründer Ehrgeiz und Bodenständigkeit vereint
Philipp Grassinger, CEO und Mitgründer des Nachhilfe-Startups Cleverly, vereint Ehrgeiz mit Bodenständigkeit. Sein Umgang mit Arbeit, Leben und persönlicher Entwicklung zeigt sich gleichermaßen pragmatisch wie neugierig. Ob bei seiner Leidenschaft für Kaffee oder seinen Kämpfen mit dem Schwimmen – Grassingers Perspektive gewährt Einblicke in die Gedankenwelt eines Startup-Gründers, der Bescheidenheit und Verbundenheit schätzt.
Sein beruflicher Werdegang kreist um Bildung und Psychologie, wobei Cleverly Nachhilfe mit Coaching verbindet. Doch seine Interessen reichen weit über das Büro hinaus. Er entspannt sich beim Kochen und beim Sport mit Freunden, gesteht aber offen ein, ein schlechter Schwimmer zu sein – Kraulen beherrscht er einfach nicht. Sein Geschmack tendiert zur Einfachheit: Er zieht ein Zelt einem Luxushotel vor, den Nachtzug dem Flugzeug.
Auch seine Ansichten zu Erfolg und Glück sind erdverbunden. Glück, so glaubt er, sei nichts, dem man nachjagen solle, sondern etwas, das man im Moment erlebt – mit Zufriedenheit als Schlüssel. Rafael Nadals Biografie prägte sein Denken, besonders die Bescheidenheit und Widerstandsfähigkeit des Tennisstars. Für Grassinger ist Arbeit zudem eine Möglichkeit, gebraucht zu werden – nicht nur eine Ablenkung von den Absurditäten des Lebens.
Berlin hat für ihn einen besonderen Platz, auch wenn er klare Meinungen dazu hat. Den Potsdamer Platz hält er für überbewertet, während er den Arkonaplatz als unterschätzt preist. Erstbesuchern würde er Otto an der Oderberger Straße empfehlen, ein Lokal mit österreichischer-deutscher Küche und regionalen Zutaten.
Seine Träume oszillieren zwischen Abenteuer und Stabilität. Würde Geld keine Rolle spielen, würde er die Zukunft seiner Familie sichern und lang gehegte Neugierde stillen – etwa Italienisch lernen oder Programmieren. Eine Weltreise im Bulli reizt ihn, genauso wie die Vorstellung einer Penthouse-Wohnung mit Dachterrasse. Doch auch 30 Urlaubstage im Jahr nähme er gern an.
Grassingers Denkweise verbindet Optimismus mit Realismus. Er sieht das Glas halb voll, gibt nie auf und bittet um Hilfe, wenn es nötig ist. Er akzeptiert, dass Macht in den falschen Händen beängstigend sein kann, glaubt aber auch, dass Egoismus – in Maßen – seinen Platz hat. Könnte er nicht mit Startups arbeiten, würde er über eine Ausbildung zum Tischler nachdenken, um mehr mit den Händen zu arbeiten.
Sogar seine hypothetischen Szenarien offenbaren seinen Charakter. Als Käfer würde er in unbekannte Gefilde davonfliegen. Und obwohl er Regeln respektiert, verurteilt er niemanden, der vor dem 16. Lebensjahr ein Bier trinkt.
Grassingers Leben spiegelt eine Mischung aus Antrieb und Reflexion wider. Er fühlt sich gesund und ist dankbar für seine Beziehungen, trägt aber auch die Last der Arbeit und die Unsicherheiten der Welt mit sich. Aktuell liest er Die Mitternachtsbibliothek von Matt Haig – und sucht weiterhin nach Balance: zwischen Ehrgeiz und Zufriedenheit, Abenteuer und Beständigkeit, Regeln und Flexibilität.
