Schulbarometer entfacht Streit über soziale Ungleichheit und psychische Belastung in NRW
Meinolf BarkholzSchulbarometer entfacht Streit über soziale Ungleichheit und psychische Belastung in NRW
In Nordrhein-Westfalen ist nach Veröffentlichung des Deutschen Schulbarometers eine hitzige Debatte über Schulstrukturen entbrannt. Der Bericht zeigt eine zunehmende psychische Belastung bei Schülerinnen und Schülern – besonders aus einkommensschwachen Familien. Nun streiten Kritiker darüber, wie Schulen diese Herausforderungen bewältigen sollen und ob tiefgreifende strukturelle Veränderungen nötig sind.
Auslöser des Streits war eine Äußerung des Philologenverbandes (PhV), der infrage stellte, ob Schulen überhaupt Verantwortung für die Bekämpfung sozialer Ungleichheit tragen sollten. Diese Aussage zog scharfe Kritik vom Landeselternverband für Integrative Schulen (LEiS-NRW) auf sich, der dem PhV vorwirft, zentrale bildungspolitische Themen zu ignorieren. Laut LEiS-NRW spiegle die Haltung des PhV eine verengte Fixierung auf das traditionelle Gymnasium wider – ein selektives, gestuftes und reformresistentes System.
Das Deutsche Schulbarometer selbst nennt drei Faktoren, die psychischen Stress verringern: eine unterstützende Lehrweise ohne übermäßige Arbeitsbelastung, ein positives Klassenklima und mehr Mitbestimmung der Schülerinnen und Schüler. Strukturelle Lösungen wie inklusivere Schulmodelle wurden im Bericht jedoch nicht vertieft. Der LEiS-NRW konterte mit eigenen Erkenntnissen und argumentiert, dass längere gemeinsame Lernphasen und individuelle Förderung in integrativen Schulen soziale Nachteile ausgleichen können.
Harald A. Amelang, Vorstandsmitglied des LEiS-NRW, wies die Argumente des PhV als überholt zurück. Dessen Perspektive sei "langjährig und gleichermaßen engstirnig" und berücksichtige moderne Bildungsbedürfnisse nicht. Die Robert Bosch Stiftung, Herausgeberin des Barometers, verwies zwar auf höhere Stresswerte in benachteiligten Gruppen, analysierte Schulstrukturen als mögliche Ursache aber nicht näher.
Der Konflikt lässt zentrale Fragen offen, wie Schulen auf die wachsende Belastung von Schülerinnen und Schülern reagieren sollen. Während der PhV strukturelle Reformen ablehnt, setzt sich der LEiS-NRW für integrative Modelle ein, um Ungleichheit abzubauen. Bisher liegen jedoch keine weiteren Details zu konkreten Forderungen oder direkten Vergleichen in künftigen Barometer-Berichten vor.






