15 May 2026, 13:00

Thomas Frauendienst überlebte jahrelangen Missbrauch in NRW-Heim der 1960er

Ausführliche Zeichnung eines deutschen Krankenhausgebäudes mit mehreren Strukturen, Fenstern, Türen und Balkonen, begleitet von informativem Text.

Thomas Frauendienst überlebte jahrelangen Missbrauch in NRW-Heim der 1960er

Thomas Frauendienst kam am 23. März 1964 mit angeborenen spastischen Klumpfüßen zur Welt. Seine Familie wies ihn bei der Geburt zurück und brachte ihn noch in derselben Nacht ins Johanna-Helene-Heim nach Volmarstein. Dort erlitt er jahrelangen Missbrauch, darunter Zwangsmedikation, Hungersnöte und wiederholte sexuelle Gewalt durch einen Chefarzt.

Von Anfang an wurde Frauendienst wie ein ungeliebtes Kind behandelt. Die Mitarbeiter der Einrichtung trugen ihn unter der Nummer 2033 in ein Register mit dem Titel Kinder in Sonderverwendung ein. Die Schwestern, die das Heim leiteten, setzten ihn extremen Bedingungen aus, sodass er schwer unterernährt war. Im Laufe der Jahre durchlitt er über 80 Operationen, von denen viele, wie er später glaubte, unnötig waren.

Der Missbrauch beschränkte sich nicht auf körperliche Vernachlässigung. Ein ehemaliger Chefarzt vergewaltigte ihn während seiner Zeit dort mehrfach. Sein Leiden endete erst 1968, als eine Diakonisse drohte, die Missstände in der Einrichtung öffentlich zu machen, woraufhin seine Familie gezwungen war, ihn nach Hause zu holen.

Jahrzehnte später zeigte eine regionale Studie in Nordrhein-Westfalen, dass etwa 20 Prozent der Jugendlichen in ähnlichen Einrichtungen missbräuchlich mit Medikamenten behandelt worden waren. 2023 erhielt Frauendienst von der Diakonie Rheinland/Westfalen-Lippe eine Entschädigung von 5.000 Euro für die erlittene sexuelle Gewalt. Trotz der emotionalen Distanz zu seinen Eltern versöhnte er sich schließlich mit ihnen, bevor sie starben.

Frauendiensts Fall verdeutlicht das systematische Unrecht, dem Kinder in Fürsorgeeinrichtungen des mittleren 20. Jahrhunderts ausgesetzt waren. Seine – wenn auch bescheidene – Entschädigung stellt eine offizielle Anerkennung des erlittenen Leids dar. Die Studie aus NRW bestätigt zudem, dass seine Erfahrungen kein Einzelfall waren.

Cashback bei deinen
Lieblingsrestaurants und Services

Kaufe Gutscheine und spare in deinen Lieblingsorten in deiner Nähe

LiberSave App auf Smartphones
Quelle