Vinge & Müller inszenieren Peer Gynt als achtstündiges Theatermarathon
Joseph HölzenbecherVinge & Müller inszenieren Peer Gynt als achtstündiges Theatermarathon
Das Theaterduo Vinge & Müller startet seine letzte Übergangs Spielzeit mit einer kühnen Inszenierung von Peer Gynt
Henrik Ibsens Klassiker erzählt von einem rebellischen Teenager, der sich durch Lügen und Fantasie vor der Realität flüchtet. Ihre Produktion verspricht ein intensives, marathonartiges Erlebnis – mit einer Spieldauer von bis zu acht Stunden oder so lange, wie es die Arbeitsschutzbestimmungen zulassen.
Die Aufführung beginnt, noch bevor das Publikum den Zuschauerraum betritt. Im Foyer stimmen Ida Müllers filigrane Wimmelbilder – detailreiche Szenenillustrationen – auf die chaotische Welt von Peer Gynt ein. Im Saal dann verbergen die Schauspieler ihre Gesichter hinter Masken, während sich die Handlung entfaltet.
Ibsens Stück ist für seine schonungslose Brutalität bekannt, bei der jede Gewalttat weiter eskaliert. Vinge und Müller verstärken diese Dunkelheit noch und dehnen die Spieldauer bis an die Grenzen des Möglichen. Bei der Premiere dauerte die Vorstellung bis 2 Uhr morgens – doch es wurde nur der erste Akt und ein Fragment des zweiten gezeigt. Die vollständige Aufführung wird alle Grenzen sprengen und so lange gehen, wie es die Sicherheitsvorschriften erlauben.
Vegard Vinge spielt den "Künstlerpfau", eine Figur, die durch ein Meer verwerfener Gemälde watet. Die Produktion markiert das Ende der Übergangsintendanz des Duos, das sich nach Kürzungen der Kulturförderung von der Volksbühne zurückzog. Zuvor galt es als favorisiert, die Leitung nach dem Tod von Intendant René Pollesch dauerhaft zu übernehmen.
Ihr provisorisches Domizil in Berlin-Reinickendorf ist inzwischen für seine Unberechenbarkeit bekannt. Keine zwei Aufführungstage gleichen einander – ein weiterer Beleg für ihren Ruf als experimentelles, grenzüberschreitendes Theater.
Die Marathon-Inszenierung von Peer Gynt steht für Vinge und Müllers kompromisslosen Ansatz. Mit maskierten Schauspielern, brutaler Erzählweise und einer achtstündigen Spieldauer lotet die Produktion die Grenzen von Darstellern und Publikum gleichermaßen aus. Gleichzeitig schließt sich damit ein Kapitel für das Duo, dessen Zukunft in der Berliner Theaterszene nach dem Abschied von der Volksbühne ungewiss bleibt.






