09 May 2026, 14:33

Wiesbadens Così fan tutte wird zum radikalen Beziehungsexperiment auf der Bühne

Plakat für das zweite Programm der Symphonischen Orchester von Teneriffa, das Mozarts Symphonie Nr. 2 in D-Moll, Op. 63, mit zwei Geigern im Vordergrund und einem Gebäude im Hintergrund zeigt.

Wiesbadens Così fan tutte wird zum radikalen Beziehungsexperiment auf der Bühne

Das Staatstheater Wiesbaden verwandelt Mozarts Così fan tutte in ein kühnes Echtzeit-Experiment über Liebe und Treue. In dieser Spielzeit bricht die Oper mit der Tradition, indem sie das Publikum zu aktiven Teilnehmenden macht. Regie führt Marie-Ève Signeyrole, die alle gewohnten Barrieren niederreißt und sowohl Darstellende als auch Zuschauer:innen mit unangenehmen Wahrheiten über Beziehungen konfrontiert.

Die Inszenierung verwandelt die Bühne in eine Kunstschule, in der zwanzig junge Paare zwischen 18 und 35 Jahren als Studierende auf der Bühne Platz nehmen. Opernerfahrung ist nicht nötig – gefragt sind nur Offenheit, Engagement und vielleicht ein wenig Humor. Die Ausschreibung für die Teilnahme läuft noch; die ausgewählten Paare rücken ins Zentrum des Geschehens, während die Figuren der Oper sie beobachten, auf die Probe stellen und herausfordern.

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Das Erlebnis beginnt lange vor dem Vorhangaufgang. Die Teilnehmenden werden hinter die Kulissen gezogen, umgeben von Kostümen, flüchtigen Blicken und verschlungenen Pfaden, die die Grenze zwischen Darstellenden und Zuschauer:innen verschwimmen lassen. Die bewusste Aufhebung von Distanz soll verunsichern und das Publikum dazu bringen, die eigenen Beziehungen zu hinterfragen, während sich die Handlung entfaltet.

Die Karten kosten lediglich 10 Euro, doch die emotionalen Einsätze sind ungleich höher. Signeyroles Vision zwingt die Oper, sich selbst zu befragen, und macht die Bühne zu einem Ort, an dem Treue, Vertrauen und die rohen Mechanismen der Liebe in Echtzeit offengelegt werden.

Diese radikale Neuinterpretation von Così fan tutte stellt die Paare auf eine harte Probe – ihre Reaktionen werden Teil der Aufführung. Der günstige Eintrittspreis steht in scharfem Kontrast zu den hohen persönlichen Einsätzen der Beteiligten. Bis zum letzten Akt werden die Grenzen zwischen Fiktion und Realität – und zwischen Beobachtern und Teilnehmenden – vollständig verschwunden sein.

Quelle