Zuckerrübenanbau in Deutschland kämpft um Überleben gegen Preisdruck und Schädlinge
Joseph HölzenbecherZuckerrübenanbau in Deutschland kämpft um Überleben gegen Preisdruck und Schädlinge
Zuckerrübenanbau in Deutschland steht unter wachsendem Druck
Der Zuckerrübenanbau in Deutschland sieht sich mit immer größeren Herausforderungen konfrontiert. Fallende Preise, schrumpfende Anbauflächen und Konkurrenz durch zollfreie Importe setzen die Branche stark zu. Gleichzeitig machen Krankheiten, Schädlinge und resistente Unkräuter den Anbau für die Landwirte noch schwieriger.
Ein Betrieb in Nordrhein-Westfalen testet nun neue Lösungen, um Erträge zu sichern und wirtschaftlich zu bleiben.
Die mit Zuckerrüben bestellte Fläche in Deutschland ist seit 2019 um 10–15 Prozent zurückgegangen. Damals wurden noch rund 38.000 Hektar angebaut, doch bis 2025 sank die Fläche auf 32.000 Hektar. Der Rückgang steht im Zusammenhang mit dem geplanten Mercosur-Handelsabkommen, das zwar noch nicht in Kraft getreten ist, aber bereits jetzt den Markt beeinflusst. Währenddessen haben Frankreich und Polen ihre Rübenanbauflächen gehalten oder sogar ausgeweitet und bleiben damit die führenden Produzenten in der EU.
Durch Preisdruck und veränderte Marktbedingungen sahen sich viele Betriebe gezwungen, ihre Zuckerrübenfelder zu verringern. Dazu gehört auch die Metternich-Ratibor-Corvey KG in Höxter. Betriebsleiter Marius Feldmann erprobt derzeit neue Pflanzenschutzmittel, um Bedrohungen wie Hühnerhirse und das Syndrom des niedrigen Zuckergehalts zu bekämpfen.
Zu den größten Herausforderungen für Rübenbauern zählen die Stolbur-Krankheit, die Cercospora-Blattfleckenkrankheit und resistente Unkräuter. Notfallzulassungen für bestimmte Pestizide bringen zwar vorübergehende Entlastung, doch die Landwirte bevorzugen dauerhafte Zulassungen. 2026 erhielten einige Mittel endlich eine permanente Genehmigung.
Ein vielversprechender Ansatz ist Rinpode, ein Herbizid aus der HRAC-Gruppe 4. Erste Tests zeigen, dass es Hühnerhirse wirksam bekämpft, ohne die Zuckerrüben zu schädigen. Bei Erfolg könnte es die Erträge um 3–7 Prozent steigern und pro Hektar eine zusätzliche Tonne Zucker bringen.
Um Stolbur einzudämmen, führte Südzucker 2025 in Modellregionen den obligatorischen Einsatz des Biostimulans Kinsidro Grow+ ein. Landwirte bringen es nun in der zweiten und dritten Phase nach dem Auflaufen aus, um die Widerstandsfähigkeit der Pflanzen zu verbessern.
Ohne besseren Schutz und stabile Marktbedingungen droht dem Zuckerrübenanbau in Deutschland ein weiterer Rückgang. Der Verlust heimischer Produktion könnte die regionale Zuckerversorgung gefährden und noch mehr Betriebe zum Rückzug zwingen.
Neue Herbizide, Fungizide und Biostimulanzien geben Hoffnung auf höhere Erträge und Wirtschaftlichkeit. Langfristige Lösungen werden jedoch von zuverlässigem Pflanzenschutz und faireren Handelsbedingungen abhängen.






