15 March 2026, 06:35

Zwei Legenden der deutschen Medienwelt sind tot – ein Abschied von Wagner und Hilsberg

Ein Plakat mit einer Person mit kurzen, dunklen Haaren in einem weißen Hemd mit einem ernsten Gesichtsausdruck und der Inschrift "Pan: Ein Satiremagazin" in fetter, schwarzer Schrift.

Zwei Legenden der deutschen Medienwelt sind tot – ein Abschied von Wagner und Hilsberg

Zwei prägende Figuren der deutschen Medienlandschaft sind in den letzten Tagen verstorben. Franz Josef Wagner, der langjährige Bild-Kolumnist, der als "Bild-Poet" bekannt war, starb im Alter von 82 Jahren. Gleichzeitig verstarb Alfred Hilsberg, eine Schlüsselfigur der Hamburger Underground-Szene, mit 77 Jahren. Beide hinterlassen eine bleibende Spur im deutschen Kulturleben.

Wagner arbeitete jahrzehntelang als Reporter und Kolumnist für die Axel-Springer-Verlage. Sein scharfer, oft polarisierender Stil machte ihn zu einer bekannten Persönlichkeit. Hilsberg hingegen prägte die alternative Kultur mit seiner respektlosen Herangehensweise an Musik und Medien.

Franz Josef Wagner begann seine Karriere bei Axel Springer und stieg vom Reporter zum gefeierten Kolumnisten auf. Seine konservativen und reaktionären Ansichten wurden zum Markenzeichen seiner Arbeit. Für den Springer-Konzern erwies sich sein provokanter Stil als nützliches Erfolgsrezept – er zog Leser an und löste Debatten aus.

Von 2001 bis 2022 verfasste Wagner Kolumnen in Briefform, in denen er sich mit Themen von Politik bis Popkultur auseinandersetzte. Sein letzter Beitrag, veröffentlicht am 7. September 2022, war an Carlo Acutis adressiert, einen jungen italienischen Computerprogrammierer, der von der katholischen Kirche seliggesprochen wurde. Neben seiner journalistischen Tätigkeit arbeitete Wagner als Ghostwriter für Prominente wie Franz Beckenbauer, Udo Jürgens und Boris Becker. Sein Einfluss reichte tief in die Kulturindustrie hinein und stellte ihn in eine Reihe mit Persönlichkeiten wie James Last und Fips Asmussen.

Alfred Hilsberg schlug einen völlig anderen Weg ein. Als Impresario der Hamburger Underground-Szene lehnte er Mainstream-Trends ab und bezeichnete Bier und Haschisch einmal als banale Ablenkungen. Stattdessen empfahl er scherzhaft, die Bild – Wagners eigene Zeitung – als "bewusstseinserweiternde Droge" zu lesen. Sein sarkastischer Witz und seine gegenkulturellen Projekte machten ihn zu einer Kultfigur der deutschen Alternativszene.

Beide Männer bewegten sich in unterschiedlichen Sphären, teilten aber eine Vorliebe für Provokation. Wagners Kolumnen gediehen im Massenmarkt, während Hilsbergs Werk in Nischen und avantgardistischen Kreisen blühte. Ihr Tod markiert das Ende zweier gegensätzlicher, doch gleichermaßen einflussreicher Karrieren.

Wagners Tod schließt ein Kapitel für die Bild und das Springer-Imperium, wo seine Kolumnen über zwei Jahrzehnte lang fester Bestandteil waren. Seine Abwesenheit hinterlässt eine Lücke im deutschen Boulevard-Journalismus. Hilsbergs Ableben hingegen nimmt eine prägende Stimme aus der Geschichte der deutschen Underground-Kultur mit sich.

Ihre Hinterlassenschaften sind nun Teil des kulturellen Gedächtnisses – die eine in den Seiten einer Massenzeitung, die andere in den Archiven des alternativen Hamburg.

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