Anna Netrebkos umstrittene Rückkehr an die Berliner Staatsoper polarisiert
Gaby WernerAnna Netrebkos umstrittene Rückkehr an die Berliner Staatsoper polarisiert
An der Berliner Staatsoper feiert eine mutige Neuinszenierung von Un ballo in maschera Premiere – mit Anna Netrebko in der Hauptrolle
Die Aufführung mit der Sopranistin in der Rolle der Amelia in Verdis Oper erntete sowohl begeisterten Applaus als auch vereinzelte Buhrufe, was auf die anhaltenden Kontroversen um ihre früheren Verbindungen zur russischen Führung hinweist.
Vor dem Opernhaus versammelten sich etwa 50 Demonstranten mit ukrainischen Fahnen und skandierten Parolen gegen Netrebkos Auftritt. Die Premiere fand mitten in der anhaltenden Debatte über die politische Haltung der Sängerin statt. Kritiker hatten sie zuvor mit Präsident Wladimir Putin in Verbindung gebracht, unter anderem wegen einer Geburtstagsfeier 2016 im Moskauer Kreml. Die Sopranistin, die sowohl die russische als auch die österreichische Staatsbürgerschaft besitzt, ist seit ihrer öffentlichen Distanzierung von der russischen Regierung nicht mehr nach Russland zurückgekehrt, wie Intendantin Elisabeth Sobotka von der Staatsoper bestätigte.
Auf der Bühne erhielt Netrebko für ihre Darstellung starken Beifall, während die Inszenierung von Regisseur Rafael R. Villalobos – die Elemente der queeren Ballroom-Kultur und Bezüge zur AIDS-Krise einfließen lässt – ebenfalls gespaltene Reaktionen hervorrief. Einige Zuschauer buhten einzelne Szenen aus, doch insgesamt ernteten Musiker und Sänger Anerkennung.
Bei der Kundgebung vor dem Gebäude riefen die Demonstranten Parolen wie "Keine Bühne für Putin-Unterstützer" und "Russland ist ein Terrorstaat". Dennoch markiert Netrebkos Rückkehr nach Berlin einen Wandel in der öffentlichen Wahrnehmung. Seit ihrem letzten Auftritt an der Staatsoper im Sommer 2023 hat sie schrittweise wieder hochkarätige Engagements übernommen, darunter gefeierte Auftritte an der Wiener Staatsoper und am Bayerischen Staatsoper in München, die in Medien wie der FAZ und der Süddeutschen Zeitung positiv rezensiert wurden.
Die Produktion ist Teil des Weihnachtsprogramms der Staatsoper. Netrebkos Auftritt stößt dabei sowohl auf künstlerische Anerkennung als auch auf politische Kritik. Ihre Rückkehr auf die großen europäischen Bühnen deutet auf eine gewisse Entspannung der früheren Ablehnung hin, doch die Proteste zeigen, dass die Spannungen fortbestehen.
Die Premiere unterstreicht, wie Kultureinrichtungen weiterhin den Spannungsbogen zwischen Kunst und Geopolitik im Schatten des Ukraine-Kriegs austarieren müssen.






