Gottesdienst im Bierzelttrubel: Wie die Wiesn-Kirchweihfeier das Oktoberfest stillstehen lässt
Gaby WernerGottesdienst im Bierzelttrubel: Wie die Wiesn-Kirchweihfeier das Oktoberfest stillstehen lässt
In der ersten Woche des Münchner Oktoberfests fand im Marstall-Zelt ein Gottesdienst statt. Das ungewöhnliche Ereignis, bekannt als die Wiesn-Kirchweihfeier, verband Tradition mit dem lebhaften Treiben des Volksfests. Statt Bierkrüge und Blasmusik füllten Gesänge und Gebete den Raum.
Der Gottesdienst begann mit einem stillen Moment, als sechs Männer aus einem einzigen goldenen Kelch Wein tranken. Einer von ihnen trat vor und sprach ins Mikrofon: "Und führe uns nicht in Versuchung …" Die Worte hallten durch das Zelt, in dem sonst Reihen von Bierbänken jubelnde Besucher beherbergen.
Von der Bühne, auf der normalerweise die Königlich Bayerische Vollgas-Orchester spielt, klang ein einsames "Halleluja" herab. Bald darauf stand die gesamte Gemeinde auf und sang gemeinsam: "Lobt den Herrn!" Ein seltenes Bild – eine dorfähnliche Versammlung ohne festen Platz und ohne eigene Kirche, geleitet von einem Pfarrer ohne eigenes Gotteshaus.
Für kurze Zeit legte sich die ausgelassene Stimmung des Oktoberfests. Der Gottesdienst wurde zu einem Schauspiel im Schauspiel, zu einem Moment der Besinnung mitten im üblichen Festtrubel.
Die Wiesn-Kirchweihfeier bleibt eine der ungewöhnlicheren Traditionen des Oktoberfests. Offizielle Besucherzahlen gibt es nicht, da sie sich von den Hauptfeierlichkeiten abhebt. Doch jedes Jahr bringt sie für einen flüchtigen Augenblick ein Gefühl von Gemeinschaft ins Herz des Bierzelts.






