Marathon-Theater erlebt in Deutschland ein triumphales Comeback nach der Pandemie
Joseph HölzenbecherMarathon-Theater erlebt in Deutschland ein triumphales Comeback nach der Pandemie
Deutsche Theater kehren zu Marathon-Aufführungen zurück – eine Tradition epischer Inszenierungen lebt auf
Die deutschen Bühnen setzen erneut auf extrem lange Theaterstücke und führen damit eine alte Tradition von Inszenierungen in epischer Länge fort. Beim diesjährigen Berliner Theatertreffen wurde dieser Trend besonders deutlich: Die Tickets für eine siebenstündige Adaption von Wallenstein waren schnell ausverkauft. Das Publikum scheint nach den pandemiebedingten Jahren mit kürzeren, pausenlosen Vorstellungen wieder bereit für ausgedehnte Theatererlebnisse.
Das Phänomen der Ultra-Langzeit-Theaterstücke ist freilich kein Novum. Bereits 1999 setzte Luk Percevals Schlachten beim Salzburger Festspiele mit einer Spielzeit von zwölf Stunden Maßstäbe für ausdauernde Live-Performances. Erst kürzlich, 2023, brachte das Schauspielhaus Bochum eine siebenstündige Fassung der Brüder Karamasow auf die Bühne – ein Beweis dafür, dass das Publikum weiterhin nach immersiven, weitläufigen Erzählungen dürstet.
Nun bereitet Berlins Volksbühne die Wiederbelebung von Peer Gynt vor, dessen erster Teil allein acht Stunden dauerte. Gleichzeitig präsentierten die Münchner Kammerspiele beim diesjährigen Theatertreffen Wallenstein: Ein Schlachtenfest in sieben Gängen – ein weiteres siebenstündiges Epos. Das Festival, das jährlich vom 1. bis 17. Mai stattfindet, zeigt die herausragendsten Produktionen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz und hat dabei oft eine Vorliebe für ambitionierte, groß angelegte Werke.
Die Pandemie hatte die Theaterlandschaft vorübergehend verändert: Viele Häuser setzten auf kürzere, durchgehende Aufführungen, um den Hygienevorschriften gerecht zu werden. Doch mit der Lockerung der Beschränkungen kehrte auch die Lust auf lange Stücke zurück. Die Tickets für Wallenstein beim diesjährigen Theatertreffen waren rasant vergriffen – ein klares Zeichen für das anhaltende Publikuminteresse. Zwar erfasst der Deutsche Bühnenverein offiziell keine Spieldauern, doch der Trend ist unübersehbar: Das Marathon-Theater bleibt ein prägendes Merkmal der hiesigen Kulturlandschaft.
Der Erfolg dieser ausufernden Produktionen unterstreicht ihren festen Platz in der deutschen Theaterkultur. Solange Festivals wie das Theatertreffen ihnen eine Bühne bieten, dürfen sich Zuschauer auf weitere epische Inszenierungen in den kommenden Jahren freuen. Die Tradition des Marathon-Theaters, die durch die Pandemie nur kurz unterbrochen wurde, steht nun wieder im vollen Rampenlicht.






