Bürgergeld wird 2026 durch strengeres Grundsicherungssystem ersetzt – was ändert sich?
Serpil MendeFür fast jeden Zweiten ist ein Besuch beim Jobcenter sinnlos - Bürgergeld wird 2026 durch strengeres Grundsicherungssystem ersetzt – was ändert sich?
Der Bundestag hat eine weitreichende Sozialreform beschlossen, die das Bürgergeld ab dem 1. Juli 2026 durch ein strengeres Grundsicherungssystem ersetzen wird. Die Entscheidung folgt anhaltenden Bedenken wegen stagnierender oder sogar rückläufiger Beschäftigungsquoten bei Langzeitarbeitslosen seit der Einführung des Bürgergelds im Januar 2023. Eine aktuelle Umfrage zeigt nun sowohl Zufriedenheit mit den Leistungen der Jobcenter als auch anhaltende Hindernisse auf dem Weg zurück in den Arbeitsmarkt.
Eine zwischen dem 15. April und 18. Juni 2025 durchgeführte Studie befragte über 1.000 Arbeitslose im Alter von 25 bis 50 Jahren, die mindestens ein Jahr lang Bürgergeld bezogen hatten. Die Ergebnisse zeigten, dass mehr als zwei Drittel mit der Arbeit ihres Jobcenters zufrieden waren und fast drei Viertel das Personal als kompetent einschätzten. Dennoch gab fast die Hälfte der Befragten an, dass die Besuche im Jobcenter ihre Jobchancen kaum verbesserten.
Die Erkenntnisse decken sich mit übergeordneten Trends: Seit das Bürgergeld 2023 das Hartz-IV-System ablöste, stockt oder geht die Integration von Langzeitarbeitslosen in den Arbeitsmarkt sogar zurück. Die Beschäftigungsquote dieser Gruppe sank laut Statistiken der Bundesagentur für Arbeit (BA) und Berichten des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) von etwa 25 Prozent unter Hartz IV auf unter 20 Prozent. Gleichzeitig stiegen die Kosten für Leistungen, und die Bezugsdauern verlängerten sich.
Die Umfrage offenbart zudem, dass 46 Prozent der Empfänger mit mehreren Hürden konfrontiert sind – darunter gesundheitliche Probleme oder fehlende Qualifikationen. Die Bertelsmann Stiftung schlägt vor, dass Jobcenter mehr Coaching, Weiterbildungsangebote und direkte Arbeitsvermittlung anbieten sollten. Bei Personen ohne größere Hindernisse empfiehlt der Bericht, stärker auf eigeninitiative Stellensuche zu drängen – selbst wenn dies die Zufriedenheit mit den Unterstützungsleistungen verringern könnte.
Die neue Sozialreform wird ab Mitte 2026 die Regeln für die Grundsicherung verschärfen. Zwar schätzen viele Langzeitarbeitslose die Mitarbeiter in den Jobcentern, doch fast die Hälfte sieht kaum Nutzen in den Beratungsterminen. Angesichts sinkender Beschäftigungsquoten und steigender Kosten stehen Regierung und Jobcenter unter Druck, die Unterstützung zu verbessern und die Integration in den Arbeitsmarkt zu fördern.