17 March 2026, 10:31

Wahlberichterstattung neu gedacht: Bürgerfragen bestimmen die Agenda

Zeitung mit dem Text "Demokratische Presse: Eine Wochenzeitung" darauf gedruckt, vor einem schwarzen Hintergrund.

Wahlberichterstattung neu gedacht: Bürgerfragen bestimmen die Agenda

Ein neuer Ansatz für Wahlberichterstattung wurde in Deutschland erprobt – mit Bürgerinnen und Bürgern im Mittelpunkt

Statt sich auf Politiker zu konzentrieren, sammelte das Projekt "Eure Stimme. Eure Themen" Fragen und Anliegen direkt aus der Bevölkerung. Zwölf unabhängige lokale Redaktionen in ganz Deutschland beteiligten sich an dem Pilotvorhaben, das vom CORRECTIV.StartHub geleitet wurde.

Inspiriert vom "Citizen's Agenda"-Modell aus den USA startete das Projekt zunächst mit sechs Redaktionen. Es wurde während der Bundestagswahl 2025 und der Kommunalwahlen in Nordrhein-Westfalen erprobt, mit weiteren Tests in Bayern, Sachsen und dem Ruhrgebiet.

Der Prozess begann mit der Sammlung von Bürgerfragen, die anschließend sortiert, analysiert und thematisch gebündelt wurden. Daraus entstand eine Wahlagenda, die als roter Faden für die gesamte Berichterstattung diente. Sie prägte redaktionelle Entscheidungen und führte zu thematischen Serien, Faktenchecks zu Parteiaussagen, Interviews und öffentlichen Veranstaltungen.

Transparenz war ein zentrales Element des Projekts: Die Redaktionen erklärten, wie die Agenda entstand und warum dieser Ansatz gewählt wurde. Sie betonten zudem, wie wichtig es ist, frühzeitig interne Unterstützung zu sichern, klare Ziele zu setzen und Zielgruppen präzise zu definieren.

Nach den Wahlen erarbeitete das Team einen Leitfaden, der anderen Redaktionen helfen soll, diesen Ansatz zu übernehmen. Ziel ist es, Wahlberichterstattung relevanter für den Alltag der Menschen zu machen – indem ihre Prioritäten im Mittelpunkt stehen.

Der Pilot zeigte, wie eine Fokusverschiebung hin zu lokalen Anliegen die Wahlberichterstattung verändern kann. Der entstandene Leitfaden bietet eine Anleitung für Redaktionen, die an bürgerzentriertem Journalismus interessiert sind. Das Modell wurde bereits in mehreren Bundesländern getestet – mit konkreten Schritten für eine breitere Umsetzung.

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