Thalia Theater verhandelt in fiktivem Prozess über ein AfD-Verbot in Deutschland
Gaby WernerRegisseur Milo Rau stellt die AfD im Theater vor Gericht - Thalia Theater verhandelt in fiktivem Prozess über ein AfD-Verbot in Deutschland
**Hamburgs Thalia Theater veranstaltet im Rahmen der diesjährigen Lessing-Tage ein mutiges und umstrittenes Ereignis: Der Schweizer Regisseur Milo Rau inszeniert ein dreitägiges "Prozess gegen Deutschland", das sich mit einem möglichen Verbot der rechtspopulistischen AfD befasst. Statt mit Schauspielern wird das fiktive Gerichtsverfahren mit echten Juristen besetzt – den Vorsitz übernimmt die ehemalige Bundesjustizministerin Herta Däubler-Gmelin als Richterin.
Die Lessing-Tage, 2010 vom damaligen Thalia-Intendanten Joachim Lux gegründet, setzen sich seit Langem mit politischen und kulturellen Debatten auseinander. Die diesjährige Ausgabe wird von Matthias Lilienthal kuratiert, der bald die künstlerische Leitung der Berliner Volksbühne übernehmen wird. Den Abschluss des Festivals bildet Raus "Prozess gegen Deutschland" – eine Auseinandersetzung mit einer brisanten Realfrage: Sollte die AfD nach Artikel 21 des Grundgesetzes verboten werden?
Die AfD wird vom Verfassungsschutz seit Anfang 2025 als gesichert rechtsextremistische Organisation eingestuft. Befürworter eines Verbots argumentieren, die Partei gefährdet die freiheitlich-demokratische Grundordnung und könnte als Zwischenschritt staatliche Finanzierung verlieren. Gegner halten dagegen, ein Parteiverbot berge autoritäre Risiken, unterdrücke Extremismus nicht zwangsläufig und ignoriere die Wählerbasis der AfD.
Doch statt einer klassischen Theaterinszenierung entsteht ein realitätsnaher Scheinprozess: Juristen prüfen juristische und politische Argumente, während die Verhandlungen live auf der Website des Thalia Theaters gestreamt werden – und so eine breite öffentliche Teilhabe ermöglichen.
Mit "Prozess gegen Deutschland" bringt Rau eine gespaltene gesellschaftliche Debatte auf die Bühne und lässt juristische Expertise über ein AfD-Verbot entscheiden. Unter Däubler-Gmelins Leitung werden die Argumente beider Seiten auf den Prüfstand gestellt. Das Ergebnis mag symbolisch sein, doch es spiegelt die anhaltenden Spannungen wider, die Deutschland in Fragen von Demokratie, Extremismus und den Grenzen der Meinungsfreiheit bewegen.
Jury fällt geteiltes Urteil im AfD-Verbot in Hamburg
Der fiktive Prozess gegen die AfD endete am 15. Februar 2026 mit einem geteilten Jury-Urteil. Das siebenköpfige Gremium befand die Partei in Bezug auf die Menschenwürde in wichtigen Aspekten 5-2 für verfassungswidrig, entschied jedoch 3-2 mit 2 Enthaltungen gegen ein vollständiges Verbot. Sie votierten auch für den Ausschluss der AfD aus der öffentlichen Finanzierung.