04 April 2026, 12:32

Warum Pressesprecher und Journalisten kaum noch direkt sprechen

Ein Mann im Anzug mit Brille spricht in ein Mikrofon, während zwei Kameramänner ihn filmen.

Warum Pressesprecher und Journalisten kaum noch direkt sprechen

Eine einfache Frage auf LinkedIn hat eine Debatte darüber ausgelöst, wie Journalisten und Pressestellen heute miteinander kommunizieren. Der freiberufliche Reporter John Stanley Hunter fragte, warum Pressesprecher so selten direkt mit den Medien sprechen. Die Antworten zeigten einen deutlichen Wandel: E-Mails und digitale Kanäle haben Telefonate und persönliche Gespräche weitgehend verdrängt.

Die Diskussion stieß schnell auf Resonanz bei führenden Persönlichkeiten der deutschen Medienlandschaft. Jan Dams, Chefredakteur der Welt am Sonntag, merkte an, dass Pressestellen Journalisten mittlerweile fast immer bitten, Fragen schriftlich per E-Mail zu stellen, statt sie direkt zu beantworten. Sachar Klein, Chief Attention Officer beim Unternehmen hypr, pflichtete dem bei und verwies darauf, dass auch Reporter zunehmend auf schriftliche Stellungnahmen bestehen.

Anette Dowideit, Chefredakteurin von Correctiv, erklärte, dass schriftliche Antworten redaktionelle Rechtssicherheit bieten. Ohne sie berge die Berichterstattung über Unternehmen Risiken. Lutz Cleffmann, Geschäftsführer von ECCO Düsseldorf, zitierte eine bekannte Weisheit der deutschen Unternehmenskultur: "Wer nichts sagt, macht nichts falsch."

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Andere wiesen darauf hin, wie schwer es mittlerweile ist, Pressesprecher überhaupt zu erreichen. Peter Ehrlich, Reporter der Süddeutschen Zeitung, argumentierte, dass Journalisten direkte Mobilfunknummern benötigen, um schnelle Antworten zu erhalten. Thomas Holzamer, verantwortlicher Redakteur von Finance Online, berichtete, dass Banken Anrufe oft komplett ignorieren und ausschließlich auf E-Mail-Kommunikation bestehen. Marco Cabras, Mitgründer von newskontor, drehte den Spieß um und fragte, warum Journalisten selbst so häufig telefonisch nicht erreichbar seien.

Doch der Trend ist nicht absolut. Michael Knauer, Reporter bei Automobilwoche, räumte zwar ein, dass der direkte Austausch zurückgegangen sei, betonte aber, dass Vertrauen zwischen Journalisten und Quellen nach wie vor zu wertvollen Informationen führen kann. In den letzten drei Jahrzehnten hat sich die Kommunikation von Telefonaten, Faxen und Briefen hin zu E-Mails, Websites, sozialen Medien und Messengerdiensten verlagert. Heute dominieren digitale Kanäle – und viele in der Branche fragen sich, ob dabei nicht auch etwas verloren gegangen ist.

Die Debatte zeigt, wie tiefgreifend sich die Kommunikation zwischen Journalisten und Pressestellen verändert hat. Schriftliche Stellungnahmen und E-Mails haben Vorrang vor direkten Gesprächen, getrieben von rechtlichen Bedenken und unternehmerischer Vorsicht. Zwar schätzen einige nach wie vor persönliches Vertrauen, doch die Entwicklung hin zu rein digitaler Kommunikation scheint kaum umkehrbar.

Quelle