ZVEI fordert Tempo: Wie Digitalisierung und Steuerungssysteme das Stromnetz stabilisieren sollen

Gaby Werner
Gaby Werner
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Ein blaues Solarpanel mit der weißen Schrift "Clean Energy Gov" in der Mitte, angeordnet in einem Gittermuster.Gaby Werner

ZVEI fordert Tempo: Wie Digitalisierung und Steuerungssysteme das Stromnetz stabilisieren sollen

ZVEI benennt zwei zentrale Schritte für mehr Flexibilität und Transparenz im Stromnetz

Auf dem Climate Solution Forum während der E-world energy & water in Essen haben Experten des Zentralverbands Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI) die Dringlichkeit schnellerer Maßnahmen betont. Im Mittelpunkt stehen eine bessere Datenverwaltung und der flächendeckende Einsatz von Steuerungssystemen, um die Netzstabilität zu stärken.

Ein Schwerpunkt liegt auf dem Digitalen Produktpass 4.0 (DPP4.0), einem System, das den gesamten Lebenszyklus eines Produkts abbilden soll. Der zweite Ansatz zielt darauf ab, die Installation digitaler Steuerungseinheiten in Niedrig- und Mittelspannungsnetzen zu beschleunigen – ein Vorhaben, das in den vergangenen Jahren hinter den Erwartungen zurückgeblieben ist.

Der DPP4.0 soll ein verlässliches Datenrahmenwerk schaffen, das alle Phasen eines Produktlebenszyklus erfasst. Dies würde die Transparenz und Qualität im Netzmanagement deutlich verbessern. Sein Erfolg hängt jedoch von der praktischen Umsetzung ab: Es braucht eine breite Verpflichtung der Hersteller und Nutzer, den Aufbau eines unabhängigen Datenökosystems sowie die nahtlose Einbindung in einen sicheren, interoperablen digitalen Raum.

Verzögerungen bei Steuerungssystemen in Mittelspannungsnetzen Bisher wurden seit 2023 nur 15 bis 20 Prozent der geplanten digitalen Steuerungseinheiten – etwa aktive Netzregelsysteme – bis 2025 installiert. Gründe für die Verzögerungen sind regulatorische Hürden, Engpässe bei der Hardware und begrenzte Fördermittel. Ab 2026 sollen daher neue Maßnahmen greifen, darunter Änderungen am Netzausbaubeschleunigungsgesetz (NABEG) und Bundeszuschüsse in Höhe von zwei Milliarden Euro. Diese sollen Genehmigungsverfahren vereinfachen, die lokale Produktion ankurbeln und Netzbetreiber verpflichten, bis 2028 eine Ausrollquote von 50 Prozent zu erreichen.

Ab 2026 wird mit einer beschleunigten Installation der Steuerungssysteme gerechnet. Bis 2027 sollen sich erste spürbare Flexibilitätsgewinne in Niederspannungsnetzen zeigen. Doch Einzelprojekte reichen nicht aus: Gefragt sind flächendeckende Einführung, klare technische Schnittstellen und stabile regulatorische Rahmenbedingungen, um das Netz reaktionsfähiger zu machen.

Technologie ist vorhanden – jetzt kommt es auf Tempo und Umsetzung an Fachleute sind sich einig: Die Technologie für ein leistungsfähiges Stromnetz existiert bereits. Die Herausforderungen liegen nun in der Geschwindigkeit, Standardisierung und konsequenten Umsetzung. Entscheidend wird sein, Integrationslücken zwischen Systemen zu schließen und Pilotprojekte in den großflächigen Einsatz zu überführen. Stärkere technische Normen und eine bessere Abstimmung der Komponenten könnten das volle Potenzial des Netzes freisetzen.

Die ZVEI-Vorschläge konzentrieren sich auf zwei Kernbereiche: die Ausweitung des DPP4.0 für mehr Datentransparenz und die Beschleunigung der Steuerungssysteme. Gelingt dies, könnte ein widerstandsfähigeres und effizienteres Energienetz entstehen. Die kommenden Jahre werden zeigen, ob regulatorische Anpassungen, Finanzierung und branchenübergreifende Zusammenarbeit die notwendigen Fortschritte bringen.

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